Was macht man, wenn man mit einer Sehnenscheidenentzündung im Fuß zuhause sitzt und nicht raus kann, zum Geocaching? Ganz genau! Man schaut mal, welche Videos noch bearbeitet und geschnitten werden müssen. Und so stieß ich auf eine Ansammlung von Videosequenzen, aus denen ich mehrere Filmchen machen muss, einen offiziellen, den findet ihr hier. Einen für meine Family, den kennen nur die. Und jeweils einen für meine lettischen Freunde, in denen die sich wiederfinden. Ein Haufen Arbeit also, aber das Wetter beginnt sowieso, schlecht zu werden. Gesagt, geplant (schon seit Monaten) und (endlich) getan: Hier ist das offizielle Lettlandvideo!
Eigentlich bin ich von dieser Reise überrascht worden. Ich hatte vor, bei einem Freund in der Warschauer Gegend meinen Urlaub mit ein paar Geocaching-Runden zu verbringen. Allerdings eröffnete er mir, dass er Flugtickets nach Lettland hat und wir da ja auch noch Bekannte besuchen können. Okay. Also sind wir an besagtem Tag in den Flieger geklettert und los ging es nach Riga.
Vorab: Es gibt keine einzige Geocaching-Sequenz in dem Filmchen. Das liegt daran, dass sich in Lettland das Geocaching noch in den Kinderschuhen zu befinden scheint und es nirgends in der Nähe Caches gab. Aber das Phänomen kannte ich aus Polen. Da gab es auch nichts und zwei Jahre später war das voll wie bei uns.
Wir landeten in Riga und wurden von unserem Freund Ejnar abgeholt. Er nahm uns mit nach Jurmala, einem wunderschönen Kurort an der Ostsee. Er hat sich dort ein Haus gekauft. So verbrachten wir den ersten Abend in Jurmala, schwelgten in Erinnerungen an die Zeiten, als wir noch jung waren und ließen uns – ob gewollt oder nicht – von den agressiven Mücken zerstechen.
Kraslava











Schon am nächsten Morgen fuhren wir wieder nach Riga, um von dort aus nach Kraslava zu fahren, einen weiteren Freund, unseren Stasio (gesprochen: Staschio), zu besuchen. Kraslava ist ein herrliches Örtchen. Von Riga bis nach Kraslava braucht man mit dem Zug nicht mal drei Stunden, dann ist man praktisch schon durch ganz Lettland gefahren.
Mein polnischer Freund Zygmunt hat einige Jahre als Lehrer in Kraslava und Daugavpils gearbeitet und kennt sich dort also sehr gut aus. Somit zeigte er mir einige schöne Sachen, die ich euch hier ebenfalls präsentieren möchte.
Nach zwei Übernachtungen in Kraslava ging es zurück nach Riga und Jurmala, wo wir ebenfalls noch zwei Tage bei unserem Freund Ejnar verbrachten.
Jurmala

Wir fanden eine alte Gulaschkanone und Ejnar beschloss, in diesem Ding echten polnischen Bigos zu kochen. Zygmunt und ich erklärten ihm, dass echter und schmackhafter Bigos über drei Tage gekocht wird und immer wieder ziehen muss, aber Ejnar war schon immer Jemand, der mit dem Kopf durch die Wand muss. Und so schrubbte er über Stunden die „Gulaschkanone“ sauber und machte sich ans Werk.
Hier muss man erwähnen, dass er tatsächlich ein hervorragender Koch ist. Allerdings war das, was er zusammenrührte, definitiv kein Bigos, deshalb einigten wir uns darauf, dass es ein uraltes, mittlerweile unbekanntes oder gar vergessenes lettisches Rezept á la Ejnar sei. Kompromisse auf internationaler Ebene, schließlich war es eine lettisch-polnisch-deutsche Runde, und wir hatten nicht vor, die Europäische Union und den Weltfrieden aufs Spiel zu setzen!
In Jurmala gingen wir, wie alle Touristen, natürlich auf die dortige Touristenmeile. Nein, wir gingen nicht, wir flanierten, schließlich haben wir Stil! Und Ejnar spendierte eine Portion Pelēkie zirņi, welches wir, ganz traditionell, zu dritt aus einer Schüssel löffelten.




In der Kneipe, in der wir die Pelēkie zirņi löffelten, war ein sehr zutraulicher Kater, ein wunderschönes Tier, das sich auch streicheln ließ. Wir grübelten, ob er denn zu der Kneipe gehört und welche Rolle er da wohl spielen würde. Als sich das Tierchen dann draußen ans Tor setzte, kam Ejnar auf die Lösung: Der sollte Gäste anlocken! Leider habe ich kein Foto von ihm gemacht.
Eine Besonderheit an Jurmala ist so einzigartig, dass man sie in so ziemlich jeder Toristenmeile der Welt antrifft: An jedem Souvenirstand wurde identisch das Gleiche angeboten, wie an den Ständen links und rechts daneben! Allerdings war trotzdem alles ein Unikat. An jedem Stand konnte man diverse, bernsteinbesetzte Untersetzer, Ketten, Bildchen, Magneten etc. erwerben. Aber ein Händler erklärte mir, dass ja schließlich jeder Bernstein nur einmal existiert und somit tatsächlich alle Händler Unikate anbieten!
Okay, dieser Typ ist, genau wie ich auch, in der Lage, den Kunden einen Meter Schnur und vier Wäscheklammern als „zeitlos modernen Wäschetrockner“ zu verkaufen und die schlucken das und sind begeistert!
Riga












Riga sehen und sterben…
Definitiv ist Riga immer eine Reise wert. Leider hatten wir nur einen Tag Zeit und so kamen wir nicht über die Altstadt hinaus.
Die engen Gassen der Altstadt haben im Sommer jedenfalls einen unschlagbaren Vorteil: man ist immer im Schatten und verlässt den erst, wenn man auf einen der großen Plätze kommt.
Viele Kneipen und Cafés laden zum Verweilen ein, man wird von der Vielzahl an Sehenswürdigkeiten fast erschlagen und weiß eigentlich gar nicht, was man sich als Erstes ansehen soll.
Der Rathausplatz beherbergt nicht nur das Rathaus, welches an sich schon eine absolute Sehenswürdigkeit ist, sondern auch das Schwarzhäupterhaus, welches auch „Haus der großen Gilde“ genannt wird. Allein an diesen beiden Gebäuden kann man sehen, wie gut es der Stadt ging und geht. Riga trat ja 1282 der Hanse bei und die strategisch günstige Lage der Stadt sorgte für einigen Wohlstand.
Das Filmchen
Von diesem Video gibt es mehrere Versionen: Eine für meinen Freund Stasio aus Kraslava, eine für meinen Freund Ejnar aus Jurmala, eine für meine Eltern, die Stasio auch kennen. Und dann ist da noch dieses Filmchen, welches Ihr hier anschauen könnt. Aber warum mehrere Versionen? Ganz einfach: Wenn man privat bei Freunden zu Besuch ist, muss deren Privatsphäre gewahrt bleiben. Und dann geht es noch um den Schutz der Kinder.
Alles in allem ist das das bisher aufwendigste Werk, das ich bisher geliefert habe, oder? Ihr dürft mich gern für einen Oscar nominieren!
Euer
Thomas