Seelower Höhen

Eigentlich wollte mein Vater nach Kostrzyn (Küstrin) zum Tanken und ich brauchte ein Paar neue Schuhe, also machten wir uns morgens auf nach Polen. Tanken waren wir, was ich aber nicht gefunden habe, waren Schuhe, die ich auch tragen würde. Schade! Aber so hatten wir noch Zeit, uns auf dem Rückweg die Gedenkstätte Seelower Höhen anzusehen.

In der, relativ kleinen, Gedenkstätte wird auf die Schlacht um die Seelower Höhen eingegangen, die vom 16. bis 19. April 1945 andauerte. Rund eine Million sowjetischer Soldaten kämpfte gegen etwa 190.000 Soldaten der Wehrmacht, des Volkssturms und Hitlerjungen. Die Schlacht kostete mehrere zehntausend Soldaten beider Seiten das Leben, die getöteten Zivilisten nicht mit eingerechnet.

Die Schlacht um die Seelower Höhen war die letzte große Schlacht, die die Rote Armee auf dem Weg nach Berlin zu schlagen hatte. Die wenige Tage später, zwischen dem 24. und 28. April stattfindende Kesselschlacht von Halbe, war Thema meiner Geocaching-Tour vom 3. Oktober 2023.

Während es in der Schlacht um die Seelower Höhen um den Vorstoß auf Berlin ging, ging es in der Kesselschlacht von Halbe unter anderem darum, die 9. Armee der Wehrmacht einzukesseln, zu binden und so davon abzuhalten, in die zu diesem Zeitpunkt bereits stattfindenden, heftigen Kämpfe um Berlin einzugreifen. Wobei man sagen muss, dass große Teile der 9. Armee bereits in der Schlacht um die Seelower Höhen aufgerieben worden war und sich in der Gegend von Halbe neu zu formieren suchte, wo sie dann von der Roten Armee eingekesselt wurde.

Beide Schlachten forderten wahnwitzige Opfer, während die für diesen Krieg verantwortliche Clique um Hitler in sicheren Bunkern saß.

Wie ihr seht, ging es heute nicht ums Geocaching. Spontan entwickelte sich eine Lehrstunde einer Geschichte, deren Zeitzeugen so nach und nach verstummen. Als ich in den 80er Jahren zur Schule ging, gehörten Kriegsversehrte noch ganz alltäglich zum Stadtbild. Männer, denen ein Arm oder ein Bein fehlte, ich erinnere mich auch an einen Mann, der ein komplett schiefes Gesicht hatte, weil ihm eine Granate fast den Unterkiefer weggerissen hatte und die plastische Chirurgie damals noch nicht so weit war, das Gesicht wieder richtig herzustellen.

Auch wenn wir hier (noch) im Frieden leben, sterben kaum 1.000 Kilometer entfernt wieder Menschen in einem grausamen Krieg. In Europa. Dabei hatten sich die Menschen Europas nach dem Zweiten Weltkrieg dieses „NIE WIEDER“ geschworen. Unsere Europäische Union ist ein Ergebnis dieser Friedensbemühungen. Und deshalb bin ich, trotz aller Widrigkeiten, die die Union uns auch bringt, ein großer Fan dieses Vielvölkergebildes.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht für schlechte Laune gesorgt.

Liebe Grüße
Thomas

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